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Tee in der Schwangerschaft: erlaubt, mit Vorsicht oder tabu?

Zwischen „gesund und beruhigend" und „lieber meiden" liegt beim Tee in der Schwangerschaft mehr, als der Pauschalrat „in Maßen" verrät. Eine nach Ampelfarben sortierte Liste mit klaren Wochenangaben und der einen Zahl, auf die es beim Koffein ankommt – ruhig eingeordnet.

Verschiedene lose Kräutertees in kleinen Schalen neben einer dampfenden Teetasse, frischen Himbeerblättern und einer Ingwerknolle auf einem hellen Holztisch

„In Maßen" – dieser Satz begleitet fast jede Frage nach Tee in der Schwangerschaft, hilft im Alltag aber kaum weiter. Dieser Beitrag macht es konkreter: eine nach Ampelfarben sortierte Übersicht (grün, gelb, rot), klare Wochenangaben statt vager Formeln und die eine Koffein-Zahl, die man kennen sollte. Dazu ein ehrlicher Blick darauf, was gesichert ist und was schlicht Erfahrung. Der Grundsatz vorweg: Jede regelmäßige oder medizinisch gemeinte Anwendung gehört mit der Hebamme oder Ärztin besprochen.

Warum Tee in der Schwangerschaft nicht gleich Tee ist

Sind Kräutertees automatisch harmlos?

Nein. „Pflanzlich" heißt nicht automatisch „unbedenklich". Ein Kräutertee ist ein wässriger Auszug aus Heilpflanzen, und manche dieser Pflanzen enthalten Stoffe mit echter pharmakologischer Wirkung – bis hin zu Substanzen, denen eine die Gebärmutter anregende oder hormonähnliche Wirkung nachgesagt wird. Genau deshalb lässt sich die Frage nicht mit einem pauschalen Ja oder Nein beantworten, sondern nur Sorte für Sorte.

Dazu kommt ein Qualitätsthema, das mit der Pflanze selbst gar nichts zu tun hat: Kräuter- und Früchtetees können je nach Charge mit sogenannten Pyrrolizidinalkaloiden aus Beikräutern verunreinigt sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb generell, Sorten abzuwechseln und nicht über Wochen literweise denselben Tee zu trinken – ein Rat, der in der Schwangerschaft besonders sinnvoll ist. Abwechslung schlägt hier die tägliche Lieblingskanne.

Welche Tees sind in der Schwangerschaft erlaubt?

In üblichen Trinkmengen gelten milde, koffeinfreie Sorten als unkritisch. Dazu zählen Rooibos, Früchtetees etwa aus Hagebutte oder Apfel sowie Melisse. Sie schmecken, wärmen und liefern Flüssigkeit, ohne dass ihnen eine bedenkliche Wirkung nachgesagt wird. Das ist der grüne Bereich der Ampel – der Teil, bei dem man ohne großes Nachdenken zugreifen kann.

In Maßen gebräuchlich sind außerdem Ingwer- und Fenchel-Anis-Kümmel-Tee, beides beliebte Aufgüsse bei flauem Magen oder Blähungen. Wie viel Ingwer sinnvoll ist und wo die Grenzen liegen, ordnet unser Beitrag zu Ingwer gegen Übelkeit ein; für Völlegefühl kann ein Fenchel-Anis-Kümmel-Tee bei Blähungen passen. Wichtig bleibt auch hier: in Maßen und nicht dauerhaft in großen Mengen.

Die Ampel-Liste: grün, gelb, rot

Statt vager „in Maßen"-Hinweise hilft eine klare Einteilung. Die folgende Tabelle sortiert gängige Tees nach Ampelfarben: Grün steht für „in üblichen Mengen unkritisch", Gelb für „in Maßen, mit Augenmaß", Rot für „meiden oder nur zu einem bestimmten Zeitpunkt und nach Rücksprache". Sie ersetzt kein Gespräch mit der Hebamme, gibt aber eine verlässliche erste Orientierung.

Orientierung für gängige Tees in der Schwangerschaft. Angaben für übliche Trink­mengen, keine medizinische Einzelfallberatung.
Tee-SorteAmpelEinordnung / Zeitpunkt
Rooibos, Früchtetee, MelisseGrünKoffeinfrei und mild, in üblichen Mengen unkritisch
IngwerteeGrün–GelbIn Maßen (bis ca. 1 g getrockneter Ingwer/Tag), nicht literweise
Fenchel-, Anis-, KümmelteeGelbKurzfristig in Maßen, nicht über Wochen als Dauertee
PfefferminzteeGelbÜbliche Mengen okay; bei Sodbrennen zurückhaltend
KamillenteeGelbIn üblichen Mengen gebräuchlich, sehr große Mengen meiden
Grüner & schwarzer TeeGelbKoffein auf 200 mg/Tag anrechnen
HimbeerblätterteeRot → ab SSW 36Erst ab 36. Woche und nur nach Rücksprache mit der Hebamme
Salbei-, Süßholz-(Lakritz-)TeeRotMedizinische Mengen meiden
Sennes-, Abführ- und „Detox"-TeesRotMeiden; Zusammensetzung oft undurchsichtig

Zwei Dinge fallen auf: Der grüne Bereich ist größer, als viele befürchten – und Rot bedeutet nicht immer „für immer verboten", sondern oft „noch nicht" oder „nicht in medizinischer Menge". Vor allem der Himbeerblättertee ist ein Sonderfall, den die nächste Frage genauer beleuchtet.

Himbeerblättertee, Pfefferminze & Co. im Detail

Ab wann darf man Himbeerblättertee trinken?

Himbeerblättertee ist der wohl bekannteste „Schwangerschaftstee" – und genau deshalb kursieren die meisten Halbwahrheiten darüber. Traditionell wird er zur Geburtsvorbereitung genutzt, weil ihm eine lockernde, die Gebärmutter anregende Wirkung nachgesagt wird. Aus genau diesem Grund gilt: erst ab etwa der 36. Schwangerschaftswoche und nur nach Rücksprache mit der Hebamme. Davor ist er ungeeignet, weil eine wehenanregende Wirkung in einer frühen Phase gerade nicht erwünscht ist.

Ehrlich bleiben muss man bei der Beleglage: Ob Himbeerblättertee die Geburt tatsächlich erleichtert, ist wissenschaftlich nicht gut belegt. Eine oft zitierte kleine Untersuchung fand keine eindeutigen Vorteile, aber auch keine erhöhte Rate an Komplikationen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur verweist ausdrücklich auf fehlende ausreichende Daten und empfiehlt Himbeerblätter in Schwangerschaft und Stillzeit nicht zur Selbstanwendung. Kurz: ein traditioneller Baustein für die letzten Wochen, kein garantierter Geburtshelfer – und ein Fall für die Absprache mit der Hebamme, nicht für den Alleingang.

Ist Pfefferminztee in der Schwangerschaft okay?

In üblichen Trinkmengen gilt Pfefferminztee als vertretbar und wird traditionell bei flauem Magen oder Völlegefühl genutzt. Problematisch wird eher die Menge als die Pflanze selbst: Große, medizinisch gemeinte Portionen über längere Zeit sollten Sie meiden. Wer zu Sodbrennen neigt – in der Schwangerschaft keine Seltenheit –, verträgt Pfefferminze mitunter schlecht, weil sie den Schließmuskel am Mageneingang entspannen und Reflux begünstigen kann.

Ein wichtiger Unterschied betrifft die Konzentration: Ein dünner Pfefferminz-Aufguss ist etwas ganz anderes als hochdosiertes Pfefferminzöl, das in Kapseln deutlich stärker wirkt. Warum bei Reizdarmbeschwerden ausgerechnet Pfefferminzöl oft besser wirkt als der Tee, erklären wir gesondert – in der Schwangerschaft gehört solches Öl aber nicht in die Selbstbehandlung. Wer abends etwas Beruhigendes sucht, ist mit milden Sorten besser beraten; weitere Ideen für einen ruhigen Abend sammelt unser Beitrag, wie man natürlich besser schlafen kann.

Koffein und Menge: die 200-Milligramm-Regel

Wie viel Tee am Tag ist unbedenklich?

Bei koffeinhaltigen Tees zählt nicht die einzelne Tasse, sondern die Tagesbilanz. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält in ihrer Bewertung bis zu 200 mg Koffein pro Tag in der Schwangerschaft für vertretbar, ohne dass ein erhöhtes Risiko für das Kind zu erwarten wäre. Diese 200 mg sind die Zahl, an der man sich orientieren kann – und sie umfassen alle Quellen zusammen.

Zur Einordnung: Eine Tasse Schwarztee liefert grob 20 bis 60 mg Koffein, grüner Tee meist etwas weniger. Kaffee, Cola, Energydrinks und Kakao zählen mit. Zwei bis drei Tassen Tee am Tag bleiben damit in aller Regel im Rahmen – kritisch wird es erst, wenn Kaffee und mehrere koffeinhaltige Getränke dazukommen. Bei Kräuter- und Früchtetees ist ohnehin weniger das Koffein das Thema als die Abwechslung: lieber verschiedene Sorten als drei Kannen desselben Krauts.

TippBei fertigen „Schwangerschafts-" oder „Stilltees" lohnt der Blick auf die Zutatenliste, nicht nur auf den Namen. Mischungen können Himbeerblätter, Salbei oder andere kritische Kräuter enthalten. Im Zweifel die Packung zur nächsten Vorsorge mitnehmen und mit der Hebamme durchgehen – das dauert zwei Minuten und erspart Rätselraten.

Welche Tees sollte man in der Schwangerschaft meiden?

Manche Sorten gehören aus gutem Grund in den roten Bereich – nicht aus Angstmacherei, sondern weil ihre Inhaltsstoffe in der Schwangerschaft ungünstig wirken können. Als Faustregel gilt Zurückhaltung bei folgenden Aufgüssen:

  • Himbeerblättertee vor der 36. Woche – wegen der nachgesagten wehenanregenden Wirkung.
  • Salbeitee in medizinischen Mengen – enthält Thujon; große Mengen werden traditionell mit einer die Gebärmutter anregenden Wirkung in Verbindung gebracht.
  • Süßholz- bzw. Lakritztee – hoher Konsum wird in Studien mit ungünstigen Schwangerschaftsverläufen in Verbindung gebracht.
  • Sennes- und andere Abführtees – stark abführend und in der Schwangerschaft nicht zur Selbstanwendung geeignet.
  • „Detox"-, Abnehm- und undurchsichtige Kräutermischungen – Zusammensetzung oft unklar.

Salbei ist dabei ein gutes Beispiel dafür, dass Menge und Absicht entscheiden: Als würzige Zutat im Essen ist er kein Problem, als hochkonzentrierter Heiltee dagegen heikel. Wie Salbei außerhalb der Schwangerschaft eingesetzt wird, zeigt unser Beitrag zu Salbeitee gegen starkes Schwitzen. In der Schwangerschaft gilt für all diese Sorten: im Zweifel lieber weglassen und nachfragen.

EinordnungTee in der Schwangerschaft ist selten „verboten", aber selten pauschal „gesund". Der grüne Bereich – Rooibos, Früchtetee, Melisse und in Maßen Ingwer – ist größer als befürchtet. Beim Koffein zählt die 200-mg-Grenze über alle Getränke, Himbeerblättertee bleibt der Spätphase ab Woche 36 vorbehalten, und ein paar Sorten meidet man besser ganz. Wichtiger als jede Einzelregel ist der Grundsatz: abwechseln, in Maßen bleiben und Neues mit der Hebamme oder Ärztin absprechen.

VorsichtKein Tee ersetzt die Schwangerschaftsvorsorge. Wenden Sie sich an Ihre Hebamme, Ärztin oder Ihren Arzt, bevor Sie einen Tee regelmäßig oder in medizinischer Absicht trinken – besonders bei einer Risikoschwangerschaft, vorzeitigen Wehen oder bekannten Vorerkrankungen. Bei starken Bauchschmerzen, ungewöhnlichen Blutungen, anhaltendem Erbrechen oder dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt, warten Sie nicht ab, sondern holen Sie zügig ärztlichen Rat. In akuten Notfällen wählen Sie sofort den Notruf 112.

Häufige Fragen

Welche Tees sind in der Schwangerschaft erlaubt?

In üblichen Mengen gelten koffeinfreie, milde Sorten als unkritisch: Rooibos, Früchtetees etwa aus Hagebutte oder Apfel sowie Melisse. Ingwer- und Fenchel-Anis-Kümmel-Tee sind in Maßen ebenfalls gebräuchlich. Wichtig ist, die Kräuter abzuwechseln und keinen einzelnen Tee literweise über Wochen zu trinken. Jede regelmäßige oder medizinisch gemeinte Anwendung besprechen Sie am besten mit Hebamme oder Ärztin.

Ab wann darf man Himbeerblättertee trinken?

Traditionell wird Himbeerblättertee zur Geburtsvorbereitung erst ab etwa der 36. Schwangerschaftswoche und nur nach Rücksprache mit der Hebamme genutzt, weil ihm eine die Gebärmutter anregende Wirkung nachgesagt wird. Davor gilt er als ungeeignet. Die Europäische Arzneimittel-Agentur verweist auf fehlende ausreichende Daten und empfiehlt Himbeerblätter in Schwangerschaft und Stillzeit nicht zur Selbstanwendung.

Ist Pfefferminztee in der Schwangerschaft okay?

In üblichen Trinkmengen gilt Pfefferminztee als vertretbar und wird traditionell bei flauem Magen genutzt. Große, medizinisch gemeinte Mengen sollten Sie meiden, und wer zu Sodbrennen neigt, verträgt Pfefferminze mitunter schlecht, weil sie den Schließmuskel der Speiseröhre lockern kann. Im Zweifel gilt: lieber dünn aufgegossen und nicht literweise.

Welche Tees sollte man in der Schwangerschaft meiden?

Zurückhaltung gilt bei Himbeerblättertee vor der 36. Woche, bei Salbei- und Süßholz-(Lakritz-)Tee in medizinischen Mengen, bei abführenden Sennestees sowie bei undurchsichtigen Abnehm-, Detox- oder Geburtsvorbereitungs-Mischungen. Auch sehr große Mengen schwarzer oder grüner Tee sind wegen des Koffeins ungünstig. Im Zweifel die Zutatenliste mit Hebamme oder Ärztin durchgehen.

Wie viel Tee am Tag ist unbedenklich?

Für koffeinhaltige Sorten zählt die Gesamtmenge: Fachgremien halten bis zu 200 mg Koffein pro Tag in der Schwangerschaft für vertretbar. Eine Tasse Schwarztee liefert grob 20 bis 60 mg, grüner Tee etwas weniger; Kaffee und Cola zählen mit. Bei Kräuter- und Früchtetees ist weniger das Koffein das Thema als die Abwechslung – zwei bis drei Tassen einer Sorte am Tag sind ein guter Richtwert.

Wichtiger Hinweis. Die Inhalte von Naturklar dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen Verfahren werden traditionell angewendet und können unterstützend wirken; sie sind kein Heilversprechen. Bei anhaltenden oder ernsten Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Heilpraktikerin bzw. einen Heilpraktiker. In Notfällen wählen Sie den Notruf 112.

Quellen

  1. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA): Scientific Opinion on the safety of caffeine. EFSA Journal, 2015;13(5):4102. DOI: 10.2903/j.efsa.2015.4102.
  2. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Assessment report on Rubus idaeus L., folium. London, 2014.
  3. Simpson M, Parsons M, Greenwood J, Wade K: Raspberry leaf in pregnancy: its safety and efficacy in labor. Journal of Midwifery & Women's Health, 2001;46(2):51–59. DOI: 10.1016/S1526-9523(01)00095-2.
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Pyrrolizidinalkaloide in Kräutertees und Tees. Stellungnahme Nr. 018/2013, 2013.

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